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16 Februar, 2026

Die Leuchtturmtage sind unsere Workshops, an denen wir uns jeweils einen ganzen Sonntag lang einem Thema widmen. An diesen Tagen schaffen wir uns den Rahmen für unser Bauprojekt und treffen Entscheidungen, wie wir zusammen leben wollen. Hier wird unser queeres Village Schritt für Schritt konkreter.
Am 15. Februar 2026 traf sich der Queere Leuchtturm St.Pauli zum Leuchtturmtag Finanzen, um die finanziellen Grundlagen für das queere Village zu erarbeiten. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was brauchen wir an diesem queeren Ort, der Wohnen, Kultur, Pflege und soziales Miteinander vereint, also was muss alles finanziert werden – und wie kann das gelingen auf einer soliden, ethischen und unabhängigen finanziellen Basis?
Ethische Grundsätze: Was Finanzierung leisten muss – und was nicht
Zu Beginn wurden klare No-Gos formuliert: Niemand darf aufgrund finanzieller Ressourcen ausgeschlossen werden, und die queere Idee selbst darf niemals durch Geld gefährdet werden. Besonders wichtig ist, dass keine Mittel von Akteur*innen angenommen werden, die den ethischen Grundsätzen des Projekts widersprechen. Das Ziel ist, Spekulationen mit Immobilien oder Kapital zu verhindern und Machtkonzentration bei Einzelnen zu vermeiden. Auch Pinkwashing und Abhängigkeiten – etwa von Fördertöpfen, die plötzlich gestrichen werden könnten – gelten als Risiken, die es zu minimieren gilt.
Ein zentrales Anliegen ist die Transparenz: Entscheidungswege, Kosten und Investitionen sollen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein. Jede*r, der*die Geld gibt, muss begründen, warum – das schützt vor unerwünschter Einflussnahme. Intern soll es klare Strukturen geben, die sicherstellen, dass alle relevanten Informationen geteilt werden, ohne dass Einzelne überfordert werden.
Finanzierungsbedarf: Was braucht das Queere Village?
Wir haben die Teile des Queeren Leuchtturms idenfifiziert, die finanziert werden müssen:
- Wohnen: Barrierefreie Wohnungen, Gästewohnungen, Community-Spaces wie Küche, Dachterrasse oder Gemeinschaftsräume.
- Pflege und Alter: Queere Pflege-WGs, palliative Versorgung, Kooperationen mit entsprechenden Hamburger Institutionen und Trägern.
- Kultur und Bildung: Veranstaltungsräume für Sport, Theater, Club, queere Events, aber auch Archiv, Bibliothek und eine „Queer Uni“.
- Soziales: Unterstützung für queere Geflüchtete und Obdachlose, Kooperationen mit sozialen Trägern.
- Gewerbe: Läden, Büros, Ateliers, Artist-in-Residence-Programm, Vermietung an queere Vereine oder Projektmitglieder.
- Gastro: ein Café oder Restaurant, das sich selbst finanzieren soll.
- Beratung: Angebote in Kooperation mit anderen queeren Anlaufstellen, die Beratung anbieten.
Besonders betont wurde die Idee einer Kreislaufwirtschaft, also einer Querfinanzierung verschiedener Teile des queeren Village. Einnahmen an einer Stelle sollen soziale Komponenten, die eher Geld brauchen, finanzieren. So können zum Beispiel Mieteinnahmen im Bereich Wohnen Räume für Schutzsuchende Queers mit tragen.
Finanzierungsquellen und Kooperationen
Als Finanzierungsmöglichkeiten wurden eine eigene Stiftung, Fördervereine und öffentliche Förderprogramme genannt. Auch Kooperationen mit bestehenden Stiftungen, sozialen Trägern, Hochschulen u.s.w. sind geplant. Ein Förderverein „Freund*innen des Leuchtturms“ könnte zusätzliche Unterstützung mobilisieren. Es wurde dabei auch klar: Für die konkreten Finanzierungen für die einzelnen Komponenten des Leuchtturms brauchen wir noch weitere Workshops, jetzt wollen wir in einem ersten Schritt auf mögliche Partner*innen zugehen und Gespräche führen.
Zur Realisierung des Wohnprojekts werden wir uns in naher Zukunft mit den Möglichkeiten, entweder eine Baugenossenschaft zu gründen oder dem Miethäusersyndikat beizutreten, beschäftigen.
Nächste Schritte: Manifest und Leitbild
Am Ende des Tages stand fest: Für die vielen Entscheidungen, die zur Finanzierung, aber auch zu anderen Themen anstehen, brauchen einen Wertekanon, ein Manifest oder Leitbild. Das soll auf einem dem kommenden Leuchtturmtag im Mai erarbeitet werden. Dieses Dokument wird die ethischen, finanziellen und strukturellen Grundsätze des Queeren Leuchtturms St.Pauli festhalten – und sicherstellen, dass das Projekt auch langfristig seinen queeren, solidarischen und inklusiven Ansprüchen gerecht wird.
Fazit: Der Leuchtturmtag Finanzen zeigte, dass unser Queeres Village nicht nur ein Ort, sondern auch ein Modell für solidarische, transparente und wertebasierte Finanzierung sein will. Die Herausforderung wird sein, diese Vision in die Praxis umzusetzen – ohne Kompromisse bei den Grundsätzen einzugehen.
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